Häusergeschichte(n).
Augsburger Häuser und ihre Bewohner
Architekturmuseum Schwaben
Das Heft 27 ist im Architekturmuseum Schwaben zum Preis von € 9,- erhältlich.
Begleitheft zur Ausstellung vom 9. Dezember bis 28. Februar 2010, hg. von Gerhard Fürmetz, Winfried Nerdinger, Barbara Wolf
Wißner Verlag, Augsburg 2009
ISBN 978-3-89639-750-8
Die Architektur von Häusern kann Geschichte vermitteln, aber Häuser können auch über das, was in ihnen passierte, Geschichten erzählen. Wer diese Zusammenhänge kennt, der geht anders durch eine Stadt, denn die Bauten berichten ihm dann vom Leben, das sich in ihnen und in der Stadt abgespielt hat, sie werden zu steinernen Zeugen von Erinnerungen, die weitergegeben werden können.
„Häusergeschichte(n)“, methodisch modern verstanden, bieten ausgezeichnete mikroskopische Einblicke in die großen Themen jeder Stadtgeschichte – von der frühneuzeitlichen Gesellschaft über die Industrialisierung bis hin zur NS-Herrschaft und zum Wiederaufbau nach 1945. Während erste Ansätze hausgeschichtlicher Forschungen vor rund 100 Jahren nicht über eine Abfolge von Besitzern und das Sammeln von Baudetails hinauskamen, lassen sich heute durch Vernetzung von Architektur-, Sozial- und Alltagsgeschichte und mit Hilfe erprobter Instrumentarien der volkskundlichen Hausforschung völlig neue Perspektiven erschließen. Seit mehr als drei Jahren unternimmt es die GeschichtsWerkstatt Augsburg e.V., in einem langfristigen, ehrenamtlich organisierten Projekt die ökonomischen, politischen und soziokulturellen Bedingungsfaktoren des Bauens und Wohnens in Augsburg im Mikrokosmos einzelner Familien oder Hausgemeinschaften einzufangen.
Architekturgeschichtliche Fragestellungen, im Besonderen zur Augsburger Wohnarchitektur, die über eine reine Betrachtung der baulichen Präsenz hinausgehen und in einem weiter gefassten Verständnis auch das Wohnen verschiedener sozialer Gruppierungen fokussieren, sind seit langem auch fester Bestandteil der im Architekturmuseum Schwaben behandelten Themen. Es lag daher nahe, das von der GeschichtsWerkstatt Augsburg initiierte Projekt „Häusergeschichte(n)“ aufzugreifen und in einer gemeinsam erarbeiteten Ausstellung mit begleitender Publikation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
In einer exemplarischen Auswahl wurden 23 Wohnhäuser im ganzen Stadtgebiet genauer untersucht. Der Bogen spannt sich vom Handwerkerhaus des 16. Jahrhunderts bis hin zu modernen Wohnanlagen des 20. Jahrhunderts, vom Wohnquartier der Textilarbeiter bis zur herrschaftlichen Villa des Großindustriellen. Auf zeittypische Bauformen, neue Bautechnologien und städtebauliche Entwicklungen wird ebenso hingewiesen wie auf schichtenspezifische Wohnverhältnisse und mit den Häusern verknüpfte Einzelschicksale. Die Siedlerfamilie, die sich in Notzeiten aus dem eigenen Garten ernährt, die Rüstungsarbeiter, die bei Kriegsende ihre Wohnungen zwangsräumen müssen, und die jüdischen Geschäftsleute, deren Besitz das NS-Regime „arisiert“ – sie alle werden über die Häusergeschichte(n) zu wichtigen Exponenten der Augsburger Lokalgeschichte. Die kleine Auswahl soll zu weiteren Recherchen anregen, das Thema ist schier unerschöpflich. Je tiefer man dabei in die Geschichten der Häuser eindringt, umso besser versteht man seine Stadt, deren Historie und damit auch die eigene Gegenwart.
Wir danken allen Personen und Institutionen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben: den Hausbesitzern und -bewohnern für mündliche Informationen, private Unterlagen und Fotografien, dem Stadtarchiv Augsburg mit seinem umfassenden Bestand an Haus- und Familienbögen, dem Staatsarchiv Augsburg sowie einer Vielzahl von Firmenarchiven, Behörden und Museen, den Autoren und Redakteuren der Textbeiträge, den Fotografen und Bildrechercheuren, den Studenten eines projektbegleitenden Hauptseminars der Universität Augsburg und nicht zuletzt dem Büro für visuelle Kommunikation für die grafische Gestaltung von Katalog und Ausstellung.
Barbara Wolf / Winfried Nerdinger
Architekturmuseum Schwaben
Gerhard Fürmetz
GeschichtsWerkstatt Augsburg e.V.
zur Ausstellung "Häusergeschichte(n).
Augsburger Häuser und ihre Bewohner
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