![]() 100 Jahre Deutscher Werkbund 1907|2007 | Benaki Museum | Athen |
100 Jahre Deutscher Werkbund 1907|2007 27.10.2010 - 28.11.2010 Benaki Museum | Athen Im Oktober 1907 schlossen sich zwölf Künstler und Architekten, darunter Peter Behrens, Josef Hoffmann und Richard Riemerschmid sowie zwölf Firmen in München zum Deutschen Werkbund zusammen. Als Zweck des Bundes formulierten die Gründungsmitglieder "die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk, durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu allen einschlägigen Fragen". Die Zielsetzung, die gesamte industrialisierte Lebenswelt "Vom Sofakissen bis zum Städtebau" (Hermann Muthesius) nach künstlerischen Gesichtspunkten zu "veredeln" und mit "gut" geformten Objekten die Bevölkerung kulturell zu "erziehen", bestimmte die Arbeit des Deutschen Werkbunds bis ins letzte Drittel des 20. Jahrhunderts. Wenn sich heute Unternehmen um ein einheitliches Erscheinungsbild, eine Corporate Identity, bemühen, und wenn weltweit ein allgemeines Verständnis für die Gestalt von Industrieprodukten vorhanden ist und "industrial design" an Hochschulen unterrichtet, von Wirtschaftsunternehmen entwickelt und in Museen ausgestellt wird, dann ist dies in erster Linie ein Verdienst des Deutschen Werkbunds. Dem Werkbund gehörten einige der berühmtesten deutschen Künstler und Architekten des 20. Jahrhunderts an, Werkbundausstellungen wie "Die Form" (1924), "Film und Foto" (1929) oder die Werkbundsiedlungen waren Meilensteine in der Entwicklung neuer Formen einer durch Industrie und Technik veränderten Welt. Die vom Werkbund organisierte Weißenhofsiedlung in Stuttgart 1927 mit Bauten von Le Corbusier, Mies van der Rohe, J.J.P. Oud oder Hans Scharoun zählt bis heute zu den bedeutendsten und international berühmtesten Beispielen moderner Architektur des 20. Jahrhunderts. In der Nachfolge des Stuttgarter Wohnexperiments entstanden mit den Werkbundsiedlungen in Brünn (1928), Breslau (1929), Prag (1932), Neubühl (1932) und Wien (1932) weitere Wohn- und Städtebaumodelle für den modernen Menschen. In den zwanziger Jahren war der Deutsche Werkbund an führender Stelle an den wichtigsten Experimenten zur Formfindung für die kommende von Technik, Internationalität und Mobilität gekennzeichnete Welt beteiligt. Nach der "Gleichschaltung" während der Zeit des Nationalsozialismus konnte bereits 1949 eine große Werkbundausstellung in Köln organisiert werden, die Maßgaben und Maßstäbe für den Wiederaufbau liefern sollte. Hier wurde als Beitrag des Schweizerischen Werkbunds die richtungsweisende von Max Bill zusammengestellte Schau "Die gute Form" gezeigt, die einen Leitbegriff für die nächsten Jahrzehnte lieferte. Internationale Anerkennung fand das vom Werkbund entwickelte Konzept für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel 1958. Auf der Werkbundtagung über "Die große Landzerstörung" 1959 in Marl wandte sich der Deutsche Werkbund den Themen "Zersiedelung" und "Umweltzerstörung" zu und gab damit als erster entscheidende Anstöße für die Entwicklung eines öffentlichen Bewusstseins für Ökologie und die Folgen eines ungebremsten Wirtschaftswachstums. Zunehmend wandte sich nun das Interesse des Werkbundes von den Fragen der Produktion zu den Problemen des Gebrauchs, nicht mehr die "gute Form", sondern der richtige Umgang mit Produkten und den Folgen des Konsums einer "Gesinnungsgemeinschaft" zu einer "Aktionsgemeinschaft", die bis heute mahnend und anregend wirkt. Eine Ausstellung des Architekturmuseums der TU München und des Instituts für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa) in Kooperation mit dem Goethe-Institut Athen.
weitere Informationen: http://www.ifa.de/ausstellungen/ausstellungen-im-ausland/design/100-jahre-deutscher-werkbund/ » mehr Bilder Publikationen: • 100 Jahre Deutscher Werkbund 1907|2007 |


