Univ.-Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger
Forschungsschwerpunkte
- Architektur des 18. - 21. Jahrhunderts
- Architektur- und Kunstgeschichte der Stadt München
- Geschichte der Architekturdarstellung
Forschungsprojekte
- Geschichte architektonischer Rekonstruktionen
- Architekturphotographie - Die Bestände des Architekturmuseums
- Der Architekt - Berufsbilder und Leitbilder
- Ingenieurarchitekten
- Die Gauhauptstadtplanungen im Nationalsozialismus
- Hitlers Architekten
Ein DFG-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Europäische Kunstgeschichte (IEK), Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Prof. Raphael Rosenberg
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Hitlers Architekten: Troost, Speer, Fick und GieslerHistorisch-kritische Studien zur Regimearchitektur des Dritten Reiches
Die Architekten Paul Ludwig Troost (1878-1934), Albert Speer (1905-1981), Roderich Fick (1886-1955) und Hermann Giesler (1898-1987) arbeiteten so eng und intensiv mit Hitler zusammen wie keine anderen Baumeister des Nationalsozialismus. Hitlerbetraute sie mit der Planung seiner wichtigsten repräsentativen Bauvorhaben, wodurch sie – dem „Führer“ direkt unterstellt – zwischen 1933 und 1945 einen entscheidenden kulturpolitischen Einfluss ausüben konnten. Obwohl sie als die zentralen Exponenten der Repräsentationsarchitektur im Dritten Reich anzusehen sind, fehlen monografische Untersuchungen ihres jeweiligen Werks bis heute. Ihre Bauten und Projekte für Hitler fanden bislang fast ausschließlich in Gesamtdarstellungen zur Architektur der Zeit eine allgemeine Berücksichtigung, im Kontext von allgemeiner historischer Einordnung, Formenvergleich und -interpretation der Architektur im Nationalsozialismus. Selbst Albert Speer, als prominentester der vier Architekten, kam bislang fast ausschließlich als historische Figur oder im Hinblick auf seine Verstrickung in die Verbrechen des NS-Regimes ein wissenschaftliches Interesse zu. Materielle Grundlage für die Aufarbeitung von Leben und Werk sind die jeweiligen Architektennachlässe, von denen drei (Troost, Fick, Giesler) erstmals wissenschaftlich ausgewertet werden, sowie die verschiedenen Archivbestände in In- und Ausland und Quellen in Privatbesitz.

Linkes Bild: Paul Ludwig Troost mit Hitler (1933)
Rechtes Bild: Hitlers Architekten (v.l.): Hermann Giesler, Albert Speer, Hitler und Roderich Fick bei Baubeaufsichtigungen in Linz (um 1939/40)
Das Forschungsprojekt ist in zwei Teile gegliedert:
1. In der ersten Projektphase werden Monografien zu Troost (Abschluss vorgesehen Anfang 2010), Speer, Fick (beide Ende 2010/Anfang 2011) und Giesler (2008 bereits veröffentlicht) erstellt. In ihnen wird das jeweilige architektonische Gesamtwerk in einem Katalog zusammengetragen und vor allem nach den Aspekten untersucht, die für das Verständnis von Architektur im Nationalsozialismus wichtig erscheinen. Fokussiert werden soll u.a. das Verhältnis der Architekten untereinander, die Auswirkung ihrer Planungen auf das übrige NS-Bauwesen, die Charakteristik ihres Werks im internationalen Vergleich und insbesondere ihre Zusammenarbeit mit Hitler.
2. Die Architektenmonografien bilden den Ausgangspunkt für die Analyse von Hitlers Beschäftigung mit Architektur, die in der zweiten Phase des Projekts erfolgt. Im Blickfeld steht dabei Hitlers Rolle als Bauherr, inwieweit er in Bauplanungen persönlich eingriff und mit welchen Mitteln – etwa durch ihm direkt unterstellte Großplanungsbehörden in Berlin, München und Linz – er das staatlich-repräsentative Bauwesen von oben organisiert und auf seine Person ausgerichtet hat. Um den jeweiligen gestalterischen Einfluss Hitlers und seiner Architekten auf die Repräsentationsbauten im Nationalsozialismus beurteilen zu können, soll ferner untersucht werden, inwieweit Hitlers zeichnerische und verbale Vorgaben von seinen Vertrauensarchitekten in ihren Planungen umgesetzt wurden. Zu diesem Zweck werden alle verfügbaren architekturbezogenen Besprechungsprotokolle ausgewertet und Hitlers Architekturskizzen in einem Katalog zusammengetragen, wobei die Zeichnungen unter grafischen und kunsthistorischen Gesichtspunkten analysiert und mit den darauf aufbauenden Entwürfen der Architekten verglichen werden sollen. Die quellenkritische Auseinandersetzung mit Hitlers Beschäftigung mit Architektur soll die Frage erhellen, inwiefern und auf welche Weise Hitler Architektur gezielt als politisches Mittel eingesetzt hat.
A. Hitler: Skizze für die Elbhochbrücke in Hamburg, 1936
Das seit 2007 von der DFG geförderte Projekt wird von Prof. Dr. Winfried Nerdinger/TU München und Prof. Dr. Raphael Rosenberg/Universität Wien durchgeführt. Teil des Projekts ist ein länder- und fächerübergreifendes Forschungsnetzwerk, das Zeit- und Kunsthistoriker, die parallel über verwandte Themen forschen, in das Projekt einbindet und den wissenschaftlichen Austausch zum Ziel hat.


Hitlers Einflussnahme auf die Architektur am Beispiel der "Großen Halle" in Berlin:
Links Skizze Hitlers (wohl 1925), rechts Albert Speers Umsetzung im Modell (1939/40)
Leitung: Univ.-Prof. Dr. Winfried Nerdinger
Mitarbeiter: Lioba Imkamp M.A.
Kontakt: imkamp@tum.de
Links: http://kunstgeschichte.univie.ac.at/institut/mitarbeiterinnen/raphael-rosenberg/
Bereits erschienene Publikation:
Michael Früchtel: Der Architekt Hermann Giesler – Leben und Werk (1898-1987) (Studien aus dem Institut für Baugeschichte, Kunstgeschichte, Restauration mit Architekturmuseum Technische Universität München – Fakultät für Architektur), München 2008.
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Dissertationen:
German Bestelmeyer – Das architektonische Werk
Klaus Altenbuchner, M.A.
Das Kloster und seine Erscheinungsformen seit Beginn des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum
Dipl.-Ing. Michael Bode
Der Verein für Volkskunst – Bauberatung und Denkmalpflege
Irmgard Bommersbach, M.A.
Die Insel Shamian in Kanton – Ein Stück europäischer Stadtbaugeschichte in Südchina
Dipl.-Ing. Stefanie Graf
Friedrich Kiesler: Seine Skulpturen und ihre Bedeutung innerhalb seines Gesamtwerkes
Almut Grunewald, M.A.
Die Entwicklung der Detailzeichnung
Dipl.-Ing. Cornelia Hellstern
Volks- und Gewerkschaftshäuser in Deutschland. Die Bauten der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung von 1890 bis 1933
Anke Hoffsten, M.A.
Leben und Werk des Architekten Roderich Fick (1886-1955)
Lioba Imkamp, M.A.
William Lescaze (Genf 1896-New York 1969)
Tina Kleine, M.A.
Friedrich Kiesler in Amerika – Das architektonische Werk im gesellschaftlichen Kontext der 30er bis 60er Jahre
Harald Krejci, M.A.
Sep Ruf 1908-1982 – Leben und Werk
Dipl.-Ing. Irene Meissner
Leo von Klenze und die Münchner Grabmalskunst 1820-48
Steffen Mensch, M.A.
Der Wiederaufbau der Augsburger Altstadt von 1944 bis 1963
Gregor Nagler, M.A.
Richard Paulicks architektonisches und städtebauliches Werk im Kontext seiner Biographie und der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen
Julia Reich, M.A.
Orientalismus in der Friedhofarchitektur – Jüdischer Friedhof Breslau
Dipl.-Ing. Amalia Reisenthel
Restaurieren, nicht konservieren! Das Leben und Werk des Münchner Architekten Erwin Schleich
Dipl.-Ing. Florian Roger
Kirchenbau und –kunst in München in der NS-Zeit – am Beispiel der Kirchenneubauten (1934-1941) im Erzbistum München und Freising und im Evang.-luth. Dekanat München
Bärbel Schallow-Gröne, M.A.
Schulbau in Bayern 1948 bis 1972
Dipl.-Ing. Alfred Schmucker
Raumstädte Deutschland Österreich Schweiz 1958-74
Dipl.-Ing. Markus Stempl
Kunst als Spiegel – Text-Bildrelationen im Werk Wolfgang Hildesheimers
Hilde Strobl, M.A.


