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LEHRVERANSTALTUNGEN WINTERSEMESTER 2016/2017

 

LEHRSTUHL FÜR ARCHITEKTURGESCHICHTE UND KURATORISCHE PRAXIS | ARCHITEKTURMUSEUM:

 

 

VORLESUNG zur Architektur- und Designtheorie

Architekturausstellungen des 20. Jahrhunderts

 

Die Architekturausstellung als kritische Form. Von Hermann Muthesius zu Rem Koolhaas

Prof. Dr. phil. Andres Lepik

Pflichtfach, Bachelor, 3 ECTS / 2 SWS
Do 13.15-14.45, Beginn: 20.10.2016 | Hörsaal: Theresianum, 0606

Ausstellungen haben seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Entwicklung der Architektur international beeinflusst. Durch ihren öffentlichen Charakter sind sie ein wirkungsvolles Format, um Ideen und Konzepte an ein breites Publikum zu vermitteln und die allgemeine Wahrnehmung der Architektur zu verändern. Von der Werkbundausstellung in Köln bis zur aktuellen Architekturbiennale in Venedig gibt die Vorlesung einen Überblick über wichtige Stationen der Architekturgeschichte anhand konkreter Beispiele. Im Zentrum stehen dabei jene Ausstellungen, die direkt Position gegenüber aktuellen Fragen beziehen. Es werden sowohl Bauausstellungen als auch Architekturausstellungen behandelt, wobei sich in einigen Fällen die beiden Formate ergänzen. Zentrale Fragestellungen richten sich auf das Konzept, die Umsetzung, Gestaltung, Vermittlung, Kritik und Nachwirkungen dieser Ausstellungen. Ein zusätzlicher Aspekt in der Betrachtung ist die mögliche Instrumentalisierung von Architekturausstellungen zu Propagandazwecken. Ziel der Vorlesung ist es, aus der vergleichenden Analyse ein Verständnis für die komplexe Theorie und Praxis von Architekturausstellungen als eigene Gestaltungsaufgabe zu gewinnen.

Zusammenfassung (WS 16/17)

Programm: 

VL 01 – 20.10.16: Die Architekturausstellung als kritische Form. Vorgeschichte, Themen und Konzepte. (Einführung)

VL 02 - 27.10.16: Der Deutsche Werkbund und seine Ausstellungen: Köln 1914/Stuttgart 1927

VL 03 – 03.11.16:  Durchbruch eines Stils: „Modern Architecture. International Exhibition“ am Museum of Modern Art, New York, 1932

VL 04 – 17.11.16: Mies van der Rohe und seine Ausstellungen

VL 05 – 24.11.16: Die Internationale Bauausstellung Berlin 1957

VL 06 – 01.12.16: "Profitopolis oder der Mensch braucht eine andere Stadt" (Gast: Liska Surkemper, TUM)

VL 07 – 08.12.16: "Open Architecture" / Internationale Bauausstellung Berlin 1987 (Gast: Esra Akcan, Cornell University)

VL 08 – 15.12.16: "Design Exhibition as Catalyst for Change": Biennial if Design (BIO), Ljubljana (Gast: Maja Vardan, Ljubljana)                              

VL 09 – 22.12.16: architecture without architects. (1964) Bernhard Rudofsky’sAusstellungen als Institutionskritik

VL 10 – 12.01.17: CONTENT / Rem Koolhaas und seine Ausstellungsstrategien (Gast: Zsuzsanna Stanitz)

VL 11 – 19.01.17: Engagierte Architektur: Von „Small Scale, Big Change“ zu „Afritecture“ und „Think Global, Build Social!“

VL 12 – 26.01.17: "La Presenza del Passato" / La Biennale die Venezia and its followers (Gast: Léa-Catherine Szacka, Oslo)

VL 13 – 02.02.17: Ausstellen / Darstellen. Theorie und Praxis der Architekturausstellung (ZUSAMMENFASSUNG)                                                                 

 

 

SEMINAR: Architektur kuratieren: Analyse, Methode, Praxis

 

Dr. phil. Hilde Strobl, Dr. phil. Regine Heß

Modul: Architekturausstellung | Nur für Teilnehmer am Masterprojekts des Lehrstuhls Lepik | Master | 3 ECTS / 2 SWS | Di  15.15–16.45 | Beginn: 18.10.2016 | Raum: 1325 | Sprache: Deutsch

Das Seminar begleitet das Masterprojekt „Reinvent the Museum!“. Aufgabe und Rolle des Kurators von Architekturausstellungen stehen im Zentrum des Seminars. Was macht ein Kurator, was sind seine Werkzeuge und welche Methoden wendet er an? Wie werden die Themen ausgewählt? Und mit welchen Medien werden sie in die räumliche Vermittlungsebene gebracht? Welche sind die Mittel der Kommunikation über Architektur und an wen richten sich Architekturausstellungen? Diese und weitere Fragen bilden die Grundlage für die intensive Auseinandersetzung mit dem Kuratieren in Theorie und Praxis. Mittels Einführungen in die Geschichte des Kuratierens und des Museums sowie Ausstellungsexkursionen, Vor-Ort-Analysen und Gesprächen mit Gastreferenten wird eine reflektierende Ebene entwickelt. Darauf aufbauend sind die einzelnen Aufgabenschritte des Kurators nachzuvollziehen und ist selbst ein Ausstellungskonzept zu entwickeln.

Literatur:

Lepik, Andres (Hg./Ed.), Show & Tell. Architektur sammeln / Collecting Architecture, Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, Ostfildern 2014

Hans-Ulrich Obrist mit Asad Raza, Kuratieren!, München 2015 / Hans Ulrich Obrist with Asad Raza, Ways of Curating, London 2015

Jeannette Merker, Riklef Rambow (Hg.), Architektur als Exponat. Gespräche über das Ausstellen, Hamburg 2015

 

 

Masterprojekt: Reinvent the Museum

 

Prof. Dr. Andres Lepik, Zsuzsanna Stanitz. Dr. Hilde Strobl

Masterprojekt Architekturmuseum | 12 ECTS / 3 SWS | Master | Di 10.00-13.00 | Raum 1325 | Beginn 18.10.2016 | Sprache: Deutsch/Englisch

Das Masterprojekt bietet Studierenden die Möglichkeit, ein bestehendes Museum zu analysieren, neu zu denken und Konzepte zur Umstrukturierung zu entwickeln. Als Zweigstelle des Architekturmuseums der TU München sollte das Architekturmuseum Schwaben in Augsburg zugleich ein Ort für Ausstellungen, Forschung und öffentliche Veranstaltungen sein – und für das diesjährige Masterprojekt ein Ort für neue Experimente!

Die Neuerfindung und -programmierung am konkreten Beispiel setzt die Auseinandersetzung mit den vorhandenen räumlichen Gegebenheiten voraus. Auf Vor-Ort-Analysen (wie thematische Ausrichtung des Museums oder Zielgruppe der Besucher) folgen Entwürfe in Einzelprojektarbeiten mit eher theoretischem Ansatz bis zu konkreten Umstrukturierungs- oder Erweiterungsplänen. Als Inspiration und Anstoß werden verschiedene Ausstellungen und Museen im Münchner Umfeld besucht sowie Experten zur Betreuung hinzugezogen.

Der Kurs lädt Studierende dazu ein, mit uns über die Zukunft von architekturspezifischen Museen zu diskutieren und durch Ideen und Ansätze etwas zu einer potentiellen Umstrukturierung in den kommenden Jahren beizutragen.

 

 

 

Seminar: Projektbeschreibung, Kommentar, Interview

Dr. Sandra Hofmeister

Modul Architekturkommunikation | 3 ECTS /2 SWS | Bacherlor | Fr. 11.30-13.00 | Raum 1325 | Beginn: 28.10.2016 | Sprache: Englisch

Texte zur Architektur werden in Büchern und Zeitungen, auf blogs und in sozialen Medien veröffentlicht. Ihre Intention und die Lesererwartungen variieren ebenso wie die Textgattung und der Publikationsort. Das Seminar „Projektbeschreibung, Kommentar, Interview“ richtet seinen Fokus auf drei ausgewählte Textarten und untersucht ihre Eigenarten in verschiedenen Medien. Die genaue Analyse vorab festgelegter Beispiele aus dem Internet, aus Tageszeitungen und Monographien soll Textaussagen und Zusammenhänge hinterfragen. Ziel dabei ist eine kritische Lektüre, die zu einem eigenen, begründeten Urteil über die Vermittlung von Architektur im Text führt. Ein weiterer Seminarschwerpunkt wird ein workshop für kreatives Schreiben sein, in dem eigene Projektbeschreibungen, Kommentare und Interviews verfasst werden. Die Ergebnisse der Textlektüre sollen dabei in sprachliche und inhaltliche Überlegungen einfließen, die für das Verfassen der eigenen Texte relevant sind. Die erste Seminarsitzung findet am Montag, 24. Oktober statt. Dr. Sandra Hofmeister ist freie Journalistin und Kritikerin, ihre Texte zu  Architektur und Design erscheinen in deutsch- und englischsprachigen Zeitschriften und Zeitungen.

 

 

 

seminar: Bauprojekte des Historismus in Bayern. Zeichnungen im Archiv des Architekturmuseums

 

Dr. phil. Anja Schmidt und Dr. phil. Katrin Bäumler

Modul Architekturgeschichte | Bachelor | 3 ECTS / 2 SWS | Mo  9.45–11.15, Raum 1325 | Beginn: 24.10.2016 | Sprache: Deutsch

Die bereits 1868 gegründete Architektursammlung beherbergt eine reiche Auswahl von Plänen und Skizzen zu bedeutenden Bauprojekten des Historismus. Der Fokus des Seminars liegt dabei auf der Architektur in Bayern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hierzu verfügt das Archiv über verschiedene Materialien – Ideenskizzen, Werkpläne, Repräsentationszeichnungen, Fotografien, Modelle etc. – sowohl von prominenten als auch von weniger bekannten Architekten, darunter Georg von Hauberrisser, Ludwig Lange, Gottfried von Neureuther, Gabriel von Seidl, Gottfried Semper, Friedrich von Thiersch oder August von Voit. Im Rahmen des Seminars sollen Entwürfe für Bauten wie das Neue Rathaus, die Akademie der Bildenden Künste, die Polytechnische Schule (der Ursprungsbau der heutigen TU) und das Richard Wagner Festspielhaus in München analysiert und beschrieben werden.

Die Fragestellungen betreffen etwa die Einordnung des Entwurfs in das Gesamtwerk der Architekten oder den Vergleich mit anderen Bauten des selben Architekten oder der gleichen Gattung. Direkt am historischen Bestand können damit Fertigkeiten für das Lesen von Plänen und die Baubeschreibung erlangt werden. Gleichzeitig wird ein Einblick in die Architekturgeschichte Bayerns vermittelt. Die Studierenden haben die Gelegenheit, die Archivräume und Modellkeller des Museums zu erkunden und die Originale zu sichten. Gemeinsame Exkursionen zu ausgewählten Projekten geben die Möglichkeit, die Entwurfsplanungen mit den ausgeführten Bauten in Beziehung zu setzen und abzugleichen.

Die Lehrveranstaltung findet in Vorbereitung einer Ausstellung statt, die 2018 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der TU München im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne gezeigt wird.

Von den Studierenden wird erwartet, dass sie vorgegebene Projekte anhand des vorliegenden Planmaterials analysieren und in Referaten vorstellen. Dabei soll auf Grundlage von Recherchen in der Literatur auch eine Einordnung des Bauwerks in den architekturgeschichtlichen Kontext erfolgen. Am Ende des Seminars muss eine schriftliche Hausarbeit eingereicht werden.

 

 

 

seminar: Frei Otto: Ideen für eine bessere Welt

 

Dr.-Ing. Irene Meissner

Modul Architekturmuseum | Master | 6 ECTS / 4 SWS | Do  15.00–18.15 | Sprache: Deutsch

Nachhaltiges, humanes Bauen, soziales Engagement und Partizipation sind heute in aller Munde. Doch bereits seit den 1960er-Jahren sah Frei Otto mit Abscheu die Fehlentwicklungen der kommerziell orientierten Nachkriegsarchitektur und verfasste Manifeste gegen die „Zerstörung der europäischen Kulturlandschaft durch staatlich gelenkte kasernierte Wohnbauten“, er rief zum Abriss von Neubauvierteln auf, in denen ihm „speiübel“ wurde, und forderte „Hört endlich auf so zu bauen, wie ihr baut.“

Frei Otto (1925–2015) ist nicht nur der große Pionier der Leichtbauweise, sondern er hat, wie kein anderer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der Architektur Anregungen und Impulse gegeben. Die Grundlagen zu nachhaltigem, ressourcenschonendem und energieeffizientem Bauen erforschte er bereits Jahrzehnte bevor die Bedeutung dieser Themen in den Fokus der breiten Öffentlichkeit rückte. Mit der Einbeziehung der Nutzer in die Bauplanung sowie der Berücksichtigung klimatischer und örtlicher Gegebenheiten wies er dem Bauen neue Wege. „Weniger ist mehr“, dieses Wort faszinierte ihn: „Weniger Häuser, weniger Material, weniger Beton und weniger Energie verbrauchen, aber menschlich bauen unter Verwendung dessen, was vorhanden ist: Erde, Wasser, Luft.“

Abbildung: Frei Otto, Deutscher Pavillon Montreal, copyright: von Schlaich/The Pritzker Architecture Prize, Media Kit

Das leichte, schwebende Dach des Deutschen Pavillons auf der Expo ’67 in Montreal (mit Rolf Gutbrod) brachte Frei Otto den internationalen Durchbruch. Auf den „Schultern von Montreal“ entstand die Dachlandschaft der Münchner Olympiaanlagen (Wettbewerb und Ausführung Behnisch & Partner), ein Jahrhundertbauwerk, das ohne das Montreal-Zelt und ohne ihn nicht möglich gewesen wäre.

Frei Ottos Leistungen fanden weltweit größte Anerkennung und brachten ihm u.a. 2015 den Pritzker-Preis ein.

Das Seminar beschäftigt sich mit Frei Ottos Ideenwelt einer leichten und anpassungsfähigen Architektur. Exkursionen nach Stuttgart zu seinem Institut für leichte Flächentragwerke (IL, heute ILEK) und nach Karlsruhe zur Frei Otto-Ausstellung „Denken in Modellen“ (ZKM, 19.11.2016–12.3.2017) sowie ein Workshop mit Christine Otto-Kanstinger sind geplant.

 

 

 

SEMINAR: Gebaute Geschichte. Architektur in Bayern zur Zeit Ludwigs II. (1864–1886)

 

Prof. Dr. Andres Lepik und Dr. Katrin Bäumler

Projektwerkstatt kuratorische Praxis | Master | 6 ECTS / 4 SWS | Mo  15.00–18.15 | Raum 1325 | Beginn: 24.10.2015

Die Epoche Ludwigs II. hat den Städtebau und die Architektur in Bayern wesentlich geprägt und weltweite Bedeutung erlangt. Dabei ist diese Zeit von divergierenden Strömungen gekennzeichnet:  Einer ausgeprägten Technik­begeisterung und Fortschrittsgläubigkeit stehen spätromantische Tendenzen und eine Rückbesinnung auf die Historie gegenüber. Gerade in den Schlossbauten Ludwigs II., bei welchen er durch den Einsatz aller ihm zur Verfügung stehenden Mittel – und vor allem neuester Techniken – eine möglichst vollkommene Immersion in eine imaginäre Welt anstrebte, scheint sich dieses Spannungsfeld beispielhaft zu manifestieren. Aber auch in Hinblick auf das öffentliche Bauwesen kontrastieren die zunehmende Industrialisierung Bayerns und die Entwicklung Münchens zur Metropole mit der zeitgleichen Blüte des Späthistorismus und einer vielfältigen Bezugnahme auf die Architektur vergangener Epochen. 

Im Fokus des Seminars stehen nicht nur die weltberühmten Schlösser, die spektakulären Theater­projekte und die zukunftsweisenden städtebaulichen Planungen, die im direkten Auftrag Ludwigs II. entstanden, sondern auch die bislang noch nicht zusammenhängend betrachtete öffentliche und private Bautätigkeit in Bayern während seiner Regierungszeit. Dazu zählen so prominente Münchner Gebäude wie das Rathaus, die Akademie der bildenden Künste oder die Polytechnische Schule (der Ursprungsbau der heutigen TU), aber auch weniger bekannte, jedoch architektur- und kultur­geschichtlich bedeutende Bauwerke wie die Synagogen in München und Nürnberg oder die Kunsthalle, die 1882 in Glas-Eisen-Konstruktion für die Industrieausstellung in Nürnberg entstand.

Das Seminar findet in Vorbereitung einer Ausstellung statt, die 2018 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der TU München im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne gezeigt wird. Es bietet den Studierenden die Möglichkeit, Einblick in die kuratorische Praxis zu gewinnen und an den inhaltlichen und gestalterischen Vorarbeiten mitzuwirken.