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Partizipative Planung in einem Flüchtlingslager: Camp City Goz Amer

08. Februar 2018, 18:30 Uhr

Goz Amer ist eines von vielen Flüchtlingslagern weltweit, das als kurzzeitiger Ausnahmezustand geplant wurde. Der Ausnahmezustand hält jedoch seit dem Beginn des Darfur-Konflikts im Sudan im Jahr 2003 weiter an. Eine Befriedung des Konflikts ist in naher Zukunft nicht in Sicht. Das streng geordnete, temporäre Zeltlager hat sich in der Zwischenzeit in eine auf Dauer eingerichtete Siedlung gewandelt. Dabei zeigen sich die Auswirkungen der nach funktionalistischen Gesichtspunkten angelegten Planung auf die sich verfestigende Struktur des Flüchtlingslagers; das in einer lebensunwirtlichen Region wie dem subsaharischen Raum zu einer Größe gewachsen ist, dessen Dimension die Ressourcen vor Ort für gewöhnlich nicht zulassen. 
Das Spannungsfeld zwischen Vergänglichkeit und Beständigkeit des Ortes, bildet im Fortbestehen des Flüchtlingslagers einen fortwährenden Prozess, in dem die Auseinandersetzung unter den Bewohnern mit dem Begriff Ephemeral auch in der baulichen Struktur seinen Ausdruck findet.
Der Vortrag zeichnet ein Bild des sich im Wandel befindlichen Flüchtlingslager Goz Amers, in der sich die hohe Kompetenz der Bewohner zeigt, das Lager - im Rahmen der beschränkten Möglichkeiten - an ihre Bedürfnisse anzupassen. Es findet ein gemeinschaftlich getriebener Prozess der räumlichen Ausdifferenzierung statt, in dem sich die ursprünglich homogene Zeltstruktur in eine komplexes Gewebe aus Behausungen, Marktplätzen, Läden, Werkstätten, Treffpunkten und Gemeinschaftseinrichtungen<wbr></wbr>, durchzogen von einem organischen Netz aus Straßen und Wegen, auflöst. 
Die gemeinschaftlich gelenkten Veränderungen sind der Ausgangspunkt eines kollektiven Beratungs- und Planungsprozesses, in dem die Veränderungsimpulse der Bewohner versucht werden in konkrete bauliche Interventionen zu übersetzen. Ziel ist es herauszufinden, wie dadurch die Handlungsfähigkeit der Bewohner in einem Kontext befördert werden kann, der in aller Regel mit dem Verlust der Selbstbestimmtheit und der Beschneidung an Rechten einhergeht. 

Dem Vortrag geht eine dreiwöchige Reise in das Flüchtlingslager Goz Amer und eine darauf aufbauende Diplomarbeit voraus.

Donnerstag, 08. Februar 2018, 18:30
drirtter Raum in der Ausstellung
"Does Permanence Matter? Ephemeral Urbanism"
Architekturmuseum der TU München, Pinakothek der Moderne

Der Vortrag ist auf deutsch.