Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2018

Trulls, Alberobello, South Italy © Simone Bader

Modul [AR30076] Architekturanalyse: 
Das "Vernakuläre“ in der modernen und zeitgenössischen Architektur

Semesterwochenstunden: 4

mit: Andres Lepik, Vera Simone Bader

Die Auseinandersetzung mit der sogenannten „vernakulären“ Bauweise, d.h. mit der in der Regel als „lokal“, „spontan“ oder auch „ursprünglich“ bezeichneten Architektur, ist ein hoch aktuelles Thema. Es steht dabei im Spannungsfeld von nationaler Identitätssuche, ökologischen Ansätzen und globalen Wirtschafts- und Politikinteressen: Zum einen orientieren sich Architekten (wie etwa Anna Heringer, Balkrishna Doshi, Francis Kéré) scheinbar zunehmend am Vernakulären, da der Rückgriff auf die Grundbedingungen der Architektur, auf alternative Materialien und auf eine einfache Handhabung in der Baupraxis angesichts knapper Ressourcen und globaler Wirtschaftskrisen weltweit gefordert wird. Andererseits versuchen Städte, wie Abu Dhabi, über die Wiederentdeckung vermeintlich lokaler Formen den Tourismus weiter anzukurbeln. Diese divergierende Aneignung von Formen und Konstruktionen, die als vernakulär bezeichnet werden, machen es notwendig, sich dem Thema noch einmal kritisch zu nähern. Es ist zu beobachten, dass sich auch schon wichtige Protagonisten der Architekturgeschichte wie Frank Lloyd Wright, Bruno Taut, Le Corbusier, Giuseppe Pagano, Bernhard Rudofsky und andere bereits seit Ende des 19. Jahrhundert eingehend mit dem Vernakulären beschäftigt haben und dies gerade auch in Anbetracht von Funktionalisierung und Rationalisierung in der Architektur. Sie vermittelten durch Ausstellungen und Publikationen über das Vernakuläre das Bild einer authentischen und als vorbildlich bezeichneten Architektur, die mit der Kultur des jeweiligen Lebensraums verwurzelt und als Ursprung für lokale Bauformen anzusehen ist. Der forschende Blick lag dabei entweder auf der Baupraxis im eigenen Land oder war auf die Kolonien gerichtet. Im Seminar werden die Gründe und Motive für die früheren und die aktuellen Auseinandersetzungen mit dieser Art des Bauens analysiert. D.h.: Seit wann, warum und mit welchen Kriterien und Vorbehalten begegneten Architekten dem Vernakulären? Wie und in welcher Form wurde ihr Entwerfen und Bauen beeinflusst? Und wie wird der Begriff „vernakulär“ historisch und aktuell verwendet? Das Vernakuläre bleibt vor allem auch im Hinblick auf andere Begrifflichkeiten wie Regionalismus, Traditionalismus, Primitivismus und Heimatstil zu definieren und vor dem Hintergrund der postkolonialen Studien zu diskutieren. Das Seminar zielt demnach auf eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Vernakulären vor allem in Europa, indem Bauwerke, Ausstellungen und Publikationen analysiert und in einen größeren politischen, kulturellen und sozialen Kontext gestellt werden.

IBA 1987, Wohngebäude Berlin, 1986 © Daniel Talesnik

Modul [AR30190] Projektwerkstatt kuratorische Praxis:
Die Stadt als Modell (IBA Berlin 1984-87) 

Semesterwochenstunden: 4

mit: Andres Lepik, Daniel Talesnik

Das Seminar untersucht Bauausstellungen mit besonderem Blick auf die Internationale Bauausstellung 1984-87 in Berlin. (Präzedenzfälle, wie die Weißenhofsiedlung 1927 in Stuttgart und die Interbau 1957 in Berlin werden ebenfalls näher analysiert). In diesem Kurs geht es um die Geschichte der Architektur in Deutschland – vor allem um die der 1980er-Jahre, – d.h. die Jahre vor dem Mauerfall, als die IBA ein weiterer Versuch war, Westberlin zu einer führenden Stadt des internationalen Architekturdiskurses zu avancieren. Wir wollen wissen, was genau die IBA gefördert hat und wie?

Die IBA hatte zwei Hauptstrategien, die "Kritische Rekonstruktion" (IBA-Neubau) und die Sanierung / Restaurierung mit der "Behutsamen Stadterneuerung" des IBA-Neubaus ("Hardt-Waltherr-Hämer"). (Es besteht eine Verbindung zur TU MÜNCHEN? BERLIN?? durch die Idee vom "Bauen im Bestand"). Zu dieser Zeit waren die IBA-geförderten Projekte in Berlin polemisch und widersetzten sich allgemeingültigen Tendenzen. Im Seminar werden daher sowohl die positiven als auch negativen Aspekte der IBA sichtbar gemacht. Wenn die IBA ein Modell darstellte, dann wollen wir verstehen, welche Art von Modell sie war und für was dieses stand.

In diesem Seminar geht es um die Verbindungen zwischen Postmoderne und ihren Gegensätzen und um die Beteiligung lokaler Architekten und die Einladung ausländischer Schlüsselarchitekten nach Berlin zum Bau von Wohnprojekten. Die IBA war eine Plattform für Architekten, die zum Erbe Berlins beitragen sollten: Peter Eisenman, Aldo Rossi, Rem Koolhaas, Zaha Hadid, John Hejduk, Raimund Abraham, Oswald Matthias Ungers und andere. Eine andere Frage ist, wie dies ein spätes Szenario des Kalten Krieges darstellt, das die Architektur für politische Zwecke mobilisierte.

Eine Nebenfrage ist, was geschah zu dieser Zeit in Ost-Berlin? Wie waren die Reaktionen auf der anderen Seite der Mauer? Dafür schauen wir uns das Nikolaiviertel näher an, ein historisches Viertel umgeben von Plattenbau, das eine touristische Attraktion für das 750-jährige Stadtjubiläum werden sollte.

Kurz gesagt, das ist Berlin als Labor, eine Stadt, die sich neu erfindet und unbewusst den Boden für das ebnete, was seit dem Mauerfall stattgefunden hat. Wenn diese Projekte in Berlin "Inseln" waren, bildeten sie dann ein "Stadtarchipel", so wie es Ungers propagierte? Das Projekt war eine Spekulation, die nicht daraus bestand, Geld zu verdienen – und dennoch ebnete sie gleichzeitig Spekulanten den Weg.

Schließlich stellt sich für die Studenten die Frage, wie könnte dieses Thema (oder Teile davon) zu einer Ausstellung werden?

* Wir werden Berlin gegen Ende des Kurses zusammen mit den Studenten besuchen.

Giuseppe Terragni, Casa del Fascio, Como, 1936 © Simone Bader

Modul [AR20036] Architekturvermittlung (Museum):
Architektur im faschistischen Italien

Semesterwochenstunden: 2

mit: Vera Simone Bader, Gabriella Cianciolo Cosentino

In dem Seminar wird die 20-jahrige Bautätigkeit in Italien unter dem faschistischen Regime beleuchtet mit besonderem Blick auf Ausstellungen, Städtebau, Kunst und auf den Umgang mit dem schwierigen Erbe. In einer ausführlichen Einführung werden Tradition und Moderne als Antipoden in der Architektur dieser Zeit kritisch hinterfragt und verschiedene Aspekte, wie beispielsweise die Beziehung zwischen Architektur und Ideologie aufgegriffen. Die Protagonisten, zu denen unter anderem Gustavo Giovannoni, Marcello Piacentini, Giuseppe Terragni, Giovanni Muzio und Giovanni Michelucci zählen, werden vorgestellt und ihre Bauten und Entwürfen in Beziehung zur faschistischen Regierung analysiert. Das persönliche Einwirken Mussolinis auf die Architektur und den Städtebau ist ebenfalls Thema. Welche Bauaufgaben haben eine wichtige Rolle gespielt? Welche Formensprache und welche Materialien wurden bevorzugt? Inwiefern hat die Architektur (oder die Architektur-Publizistik) zur Propaganda des Faschismus beigetragen? Diese und andere Fragen sollen im Laufen des Seminars an Fallbeispielen diskutiert werden.

© Sandra Hofmeister

Modul [AR20112] Architekturkommunikation:               
Architekturtexte: Lektüre- und Schreibwerkstatt

Semesterwochenstunden: 2

mit: Sandra Hofmeister

Wenn Architektur in Worte gefasst wird, gibt es unterschiedliche Textformate je nach Anlass und Intention. Dieses Seminar ist eine Werkstatt für diese Worte und Textformate: Wir werden verschiedene Texte lesen, analysieren und ihren Kontext besprechen. Nach der Lektüre werden wir eigene Texte verfassen und dabei auf vorab erarbeitete Aspekte achten. Die Bandbreite an Textformaten, die im Seminar diskutiert wird, schließt Manifeste und Essays, Blog Einträge und Kommentare, Interviews und Projektbeschriebungen mit ein. Durch die sorgfältige Lektüre werden die Studierenden einen kritischen Blick auf diese Texte werfen und daran arbeiten, Architektur in überzeugende eigene Worte zu fassen.

Hans Schwippert, Behelfsheim-Typ “Wohnlaube, Wohngerät 43” aus dem Jahr 1943 © Architekturmuseum München Archiv

Modul [AR20083] Architektur sammeln, dokumentieren und präsentieren:
Der Architekt Hans Schwippert im Archiv des Architekturmuseums

Semesterwochenstunden: 2

mit: Anja Schmidt

Die Sammlung des Architekturmuseums der TU München bewahrt einen reichen Bestand von Plänen und Skizzen des Architekten Hans Schwippert, (1899-1973). Als langjähriger Vorsitzender des Deutschen Werkbundes und Direktor der Kunstakademie Düsseldorf war er einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsarchitektur. Von seinen Bauprojekten sind vor allem der Entwurf für das Deutsche Bundeshaus in Bonn (1948/49), das Hochhaus auf der Interbau 1957 in Berlin und das Ausstellungskonzept des Deutschen Pavillons der Brüssler Weltausstellung 1958 in die Architekturgeschichte eingegangen. Weitgehend unbekannt ist dagegen, dass Schwippert auch Behelfsheime und Notunterkünfte für Flüchtlinge entwarf. Ein Thema, das heute wieder besondere Bedeutung erlangt. Im Mittelpunkt des Seminars stehen die Entwürfe und ausgeführten Projekte dieses Architekten.

Königshaus am Schachen © Myrzik und Jarisch

Modul [AR30347] Projektwerkstatt Ausstellungsgestaltung:
Königsschlösser und Fabriken - Ludwig II. und die Architektur

Semesterwochenstunden: 2

mit: Andres Lepik, Ann Katrin Bäumler

Der vom Architekturmuseum zusammen mit dem Londoner Architekturbüro Studio Weave als Blockveranstaltung angebotene Workshop findet in Vorbereitung der Ausstellung "Königsschlösser und Fabriken -- Ludwig II. und die Architektur" statt, die zum 150-jährigen Jubiläum der TUM ab September 2018 in der Pinakothek der Moderne gezeigt wird.

Als Projektarbeit sollen die Studierenden bei der Wandgestaltung von zwei Ausstellungsräumen mitwirken, wobei sie auch von Studio Weave, die die Ausstellungsarchitektur konzipiert haben, unterstützt und angeleitet werden. Ziel ist es anhand einer eigens für die Ausstellung entwickelten Technik mit den charakteristischen Farben, Ornamenten und architektonischen Versatzstücken der damaligen Zeit eine Art "Fassade" zu gestalten. Diese ist sowohl für den Besucher der Ausstellung, als auch von außen sichtbar -- insbesondere bei beleuchteten Räumen in der dunklen Jahreszeit.

Der Workshop bietet auch einen Einblick in die kuratorische Praxis und in die Entwicklung eines architektonischen Ausstellungskonzepts. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Visualisierung der Ausstellungsinhalte. Vermittelt werden soll zudem die kritische Auseinandersetzung mit komplexen Problemstellungen und deren räumliche Präsentation für die Ausstellung.

 

Hans Döllgast, Wiederherstellung Alte Pinakothek, 1946–1957 © Klaus Kinold

Modul Architekturmuseum:
Auf den Spuren Münchner Architekturlehrer

Semesterwochenstunden: 4

mit: Irene Meissner

Carl von Fischer, Friedrich von Gärtner, Friedrich von Thiersch, Theodor Fischer, German Bestelmeyer, Robert Vorhoelzer, Hans Döllgast, Franz Hart, Werner Eichberg, Sep Ruf oder Otto Steidle, aber auch renommierte Künstler wie Wilhelm von Rümann, Bernhard Bleeker, Hermann Hahn, Georg Brenninger oder Fritz Koenig lehrten seit 1803 an der Akademie der Bildendenden Künste München und seit 1868 Architektur an der heutigen Technischen Universität München. Wer waren diese Lehrer und welche Spuren haben sie im Münchner Stadtbild hinterlassen?
In den Seminarveranstaltungen sollen sich die Studierenden auf die Spuren der Münchner Architekturlehrer begeben und anhand eines Rundgangs den Architekten/Künstler und dessen Bauten/Werke vorstellen. Nach vorgegebenen Layout ist die Erarbeitung eines „Pfads“ geplant. Ein kurzer Abriss von Leben und Werk mit einer architektonischen Einordnung und der Vorstellung der wichtigsten Bauten mit Fotografien und Kurztexten sollen den Weg der jeweiligen Architekten zu ihren Bauten in München weisen.

Die Veranstaltungen finden in Form von Stadtspaziergängen und bei schlechtem Wetter im Seminarraum statt.