Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2018 | 2019

[Modul AR20023] Vorlesung: Die Architekturausstellung als kritische Form. Von Hermann Muthesius zu Rem Koolhaas. 

Semesterwochenstunden: 2

mit: Andres Lepik

Die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts wurde an entscheidenden Punkten durch Ausstellungen geprägt. Von der Werkbundausstellung 1914 in Köln, der Ausstellung „Modern Architecture. International Exhibition“ im MoMA 1932 über die Interbau 1957 in Berlin bis zur Biennale in Venedig „La Presenza del Passato“ von 1980 - die Präsentation von Architektur hat die internen Debatten um die zukünftige Ausrichtung der Profession ebenso nachhaltig bestimmt wie die öffentliche Wahrnehmung. Die Vorlesung stellt wesentliche Kapitel der Architekturgeschichte anhand der jeweils Ausstellungen vor und beschreibt darüber hinaus Elemente ihrer Wirkungen, der grundlegenden Konzepte und der theoretischen Debatten.

Das Skript zur Vorlesung gibt es hier.

Illustrationen zur Kugelhausstadt, 1927, ©Architekturmuseum

Modul [AR20083] Architektur sammeln, dokumentieren und präsentieren:  Der Architekt Peter Birkenholz im Archiv des Architekturmuseums

Semesterwochenstunden: 2

mit: Anja Schmidt

Die Sammlung des Architekturmuseums der TU München bewahrt einen wertvollen Bestand von Planzeichnungen, Skizzen und Modellen des Architekten Peter Birkenholz (1876-1961). Als Dozent an der Gewerbeschule Basel und ab 1925 als Professor an der TH München widmete er sich intensiv der Lehre. Gleichzeitig nahm er an diversen Ausstellungen und Wettbewerben teil und etablierte sich als Architekt von Wohn- und Geschäftshäusern, für die er auch die Innenarchitektur entwarf.

Von seinen Bauprojekten sind vor allem die Kugelhäuser in die Architekturgeschichte eingegangen, die er in den unterschiedlichsten Variationen plante (vom Gartenwohnhaus bis zur ganzen Stadt). Weniger bekannt ist, dass Birkenholz mit seinen Planungen von Brücken bis zum Völkerbundpalast ein breites Spektrum an Bauaufgaben abdeckte und auch städtebaulich tätig war. Thema des Seminars sind die Entwürfe und ausgeführten Projekte dieses Architekten, die im Archiv des Architekturmuseums überliefert sind.

Studenten am Bauhaus Dessau, um 1927 © Stiftung Bauhaus Dessau

Modul Architekturmuseum: Das Bauhaus – Labor der Moderne

Semesterwochenstunden: 4

mit: Irene Meissner

Bauhaus ist ein international geläufiger Begriff, mit dem ganz pauschal moderne Gestaltung und im besonderen moderne Architektur der 1920er- und 1930er-Jahre bezeichnet wird. An vielen Architektur- und Kunstschulen dient die Bauhauslehre bis heute als Grundlage der Ausbildung.

Das 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete „Staatliche Bauhaus“ war ursprünglich eine Reformschule mit dem Ziel Kunst und Handwerk zu verknüpfen, seit 1923 sollten dann Kunst und Technik zu einer neuen Einheit geformt werden. 1925 musste das Bauhaus aus politischen Gründen nach Dessau umziehen, wo die Reformschule als „Hochschule für Gestaltung“ eine städtische Einrichtung wurde und einen wegweisenden Neubau erhielt. 1928 übernahm Hannes Meyer das Bauhaus, ihm folgte 1930 Ludwig Mies van der Rohe als dritter Direktor nach, bevor 1933 die Nationalsozialisten das Bauhaus schlossen.

Im Seminar werden die einzelnen Phasen des Bauhauses sowie die Leitideen, deren Rezeption und Verbreitung thematisiert und diskutiert. Auf Fahrten zu den historischen Orten und Stätten soll das Bauhaus von den Studierenden selbst entdeckt werden.

Die Exkursion nach Weimar, Dessau und Berlin ist verpflichtend für eine erfolgreiche Teilnahme am Seminar. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen beschränkt.

 

Karl Knappe, Ziegelschnitt | Theodor Fischer, Ledigenheim München, Bergmannstrasse, 1926/27 © privat

Modul Architekturmuseum: Auf den Spuren Münchner Architekturlehrer (in Form einer Seminararbeit)

Semesterwochenstunden: 4

mit: Irene Meissner

Gottfried von Neureuther, August Thiersch, Friedrich von Thiersch, Theodor Fischer, German Bestelmeyer, Roderich Fick, Robert Vorhoelzer, Hans Döllgast, Franz Hart, Werner Eichberg, aber auch renommierte Künstler wie Ernst Pfeifer, Georg Brenninger oder Fritz Koenig lehrten seit 1868 Architektur an der heutigen Technischen Universität München. Wer waren diese Lehrer und welche Spuren haben sie im Münchner Stadtbild hinterlassen?

In einer schriftlichen Seminararbeit sollen sich die Studierenden auf die Spuren der Münchner Architekturlehrer begeben und den Architekten und dessen Bauten recherchieren. Nach vorgegebenen Layout ist ein Booklet zu erarbeiten: Nach einem kurzen Abriss von Leben und Werk mit einer architektonischen Einordnung werden die wichtigsten Bauten anhand von Fotografien und Kurztexten vorgestellt.

Termine Freitagvormittag nach Absprache, Pinakothek der Moderne, Beschränkung auf 15 Studenten

© Anthony Coleman | Grafton Architects installation at Sensing Spaces Exhibition (curated by Kate Goodwin for Royal Academy of Arts, London 2014)

Ausstellen durch Space | Immersives Design in Architekturausstellungen

Die Ausstellung von Architektur ist notwendigerweise eine architektonische Übung. Um Ideen innerhalb eines Raums anzuzeigen oder zu kommunizieren, muss eine dreidimensionale Organisation geschaffen und gleichzeitig der Container als unmittelbarer Kontext für das Besuchererlebnis reflektiert werden. Wenn man dies berücksichtigt, wenn man darüber nachdenkt, ein Gebäude zu zeigen, kann man, selbst wenn man das Paradox einer externen Repräsentation seiner inneren Erfahrung annimmt, zu einnehmenderen, einprägsameren und umfassenderen Wegen führen, die Architekturdarstellung für ein breiteres Publikum zu übersetzen.

Dieser Workshop fördert die Erforschung interaktiver, emotionaler und weitreichender Strategien, die die Erfahrung von Ausstellungen im weitesten Sinne berücksichtigen. Durch die Gestaltung eines immersiven Ausstellungsraumes durch einen ortsspezifischen Ansatz werden die Studierenden mit Fragen zu Maßstab und Form, Konstruktion, Lesbarkeit und sensorischer Erfahrung in der Architektur konfrontiert und können die Idee der Architektur durch Kuration im Sinne von Disziplin untersuchen Produktion, anstatt "bloße" Darstellung.

Referenz­treppenpodest und Referenztreppenlauf nach DIN 7396, mit Norm-Hammerwerk

Modul [AR30076] Architekturanalyse: Design Regeln: Kontrolle (und ihr Unbehagen) in der Architekturgeschichte

Semesterwochenstunden: 4

mit: Anna-Maria Meister

Das Aufkommen der Kybernetik in der Nachkriegszeit schien den architektonischen Traum von vorhersehbarem Ergebnis und objektiver Schönheit zu erfüllen. Erdacht als gemeinsame Sprache zwischen Mensch und Maschine, befeuerte Code dann die Fantasie die moderne Subjekt-Objekt-Dichotomie endlich überbrücken zu können. Regelbasiertes Design hat jedoch eine lange Geschichte: von Proportionslehre zu Normen haben Architekten wiederholt versucht, nicht nur Form vorzuschreiben, sondern auch soziale und politische Kontrolle auszuüben. Als Regeln in materialisierte Form exportiert wurden, wurde die Architektur aber auch zum Komplizen bei der Konstruktion von Herrschaftsformen. Daher müssen "Design Rules" auch hinsichtlich ihrer ideologischen Absicht und menschlichen Konsequenz betrachtet werden.

Dieses Seminar wird eine Geschichte der Architekturproduktion untersuchen, die sich aus Regeln, Codes und Gesetzen ableitet. Wir werden sowohl Regeln untersuchen, die von außen vorgeschrieben werden - Standards, Normen und Vorschriften - als auch solche, die absichtlich als Teil des Designprozesses eingeführt werden - Proportionen, Kombinatorik und Algorithmen.

Während Regeln oft als bürokratisches Hindernis angesehen werden, sind sie in der Tat gesellschaftliche Ausdrucksformen und ästhetische Werkzeuge. Darüber hinaus führten Versuche zur Maximierung von Kontrolle durch Systeme oft zu unvorhersehbaren Ergebnissen. Der durch Codes und Berechnungen gewonnene Kontrolltraum ist somit untrennbar mit Risiko, Irrationalität und Exzess verbunden. In diesem Seminar wollen wir fragen: Was sind die architektonischen, räumlichen und politischen Implikationen von Gestaltungsregeln, ob vorgeschrieben oder selbst auferlegt? Inwiefern waren irrationale Tendenzen an der Gestaltung von Regeln beteiligt?

SESC 24 de Maio, São Paulo © Ciro Miguel, 2017

Modul [AR30233] Masterprojekt: Social Condenser

Semesterwochenstunden: 8

mit: Andres Lepik, Daniel Talesnik, Teresa Fankhänel

Gefördert von einigen konstruktivistischen Architekten, die mit der Union of Contemporary Architects (OSA) verbunden waren, zirkulierte das Konzept des “Social Condenser” in den späten 1920er Jahren in der Sowjetunion. Der Begriff wurde verwendet, um eine neue Architektur zu beschreiben, die zehn Jahre nach der Russischen Revolution stattfand. Obwohl sie anregend war, war sie sehr offen, da sie sich nicht auf ein bestimmtes Architekturprogramm beschränkte.[1] Ja, der “Social Condenser” bezog sich auf Architekturen, die die Bevölkerung versorgten, die die Gesellschaft beschleunigen konnten, aber es könnte sich auch auf Wohnprojekte wie Moisei Ginzburg und Ignaty Milinis Narkomfim (1928) sowie Arbeiterklubs beziehen (denken Sie an jene, die von Constantin Melnikov entworfen wurden). Jüngste Forschungen in der Kategorie des “Social Condenser” haben gezeigt, dass der Begriff nur für eine kurze Zeitperiode verwendet wurde. Er wurde uns jedoch durch eine Reihe von Wiederbelebungen überliefert, am wichtigsten Rem Koolhaas’ Verwendung des Begriffs seit den 1970er Jahren wie im Manifest “The City in the City – Berlin: A Green Archipelago” (1977 mit Oswald Mathias Ungers und anderen geschrieben) und dem gefälschten Patent für den “Social Condenser”, veröffentlicht in Content (2004).

In diesem Masterprojekt werden wir die Idee des “Social Condenser” sowohl in seiner historischen Dimension als auch als Kategorie untersuchen, die Möglichkeiten für die aktuelle Produktion von Architektur bietet. Unser Interesse am “Social Condenser” steht im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ausstellung Access for All: São Paulo’s Architectural Infrastructures (Juni 2019) des Architekturmuseums, die sich auf mehreren Ebenen mit diesem Thema auseinandersetzt. Das Master Projekt basiert auf Vorträgen, Lektüreseminaren und Präsentationen der Studenten. Wir werden Fallstudien sammeln, einen Zeitstrahl erstellen, über Probleme der Repräsentation nachdenken und an einem Essay arbeiten.

Das Master-Projekt wird begleitet von einem Seminar von Teresa Fankhänel mit dem Titel "Writing Research Papers". Es ist eine praxisbezogene Übung zum Lesen und Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten in Vorbereitung des abschließenden Essays im Master Projekt. Das Hauptziel des Kurses ist es, den Studenten ein gründliches Verständnis und praktische Kenntnisse der notwendigen Schritte beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit zu vermitteln. Zu den Fähigkeiten, die trainiert werden, gehören ein grundlegendes Verständnis historischer und theoretischer Quellen in den Geisteswissenschaften, Archivrecherchen, der Auswahl von Quellen, des Verfassens eines Forschungsberichts, des Findens einer These und des Verfassens der Arbeit.

Dies ist ein praxisbezogenes Master Projekt, sowohl im Workshop als auch im Seminar. Aktive Teilnahme ist vor, während und nach jeder Sitzung erforderlich. Es wird wöchentlich kleine Aufgaben geben, die aus Lektüreaufgaben, Recherchen und Schreibübungen bestehen.

[1] Schauen Michał Murawski, “Introduction: crystallising the social condenser,” The Journal of Architecture Volume 22, Issue 3 (2017): 372-386.

 

CIAM Kongress in Otterlo 1959 © NAI Collection

Modul [AR3230] Architekturvermittlung: Die CIAM-Kongresse. Historische Hintergründe, Entwicklung und Auswirkung

Semesterwochenstunden: 2

mit: Vera Simone Bader

Zwischen 1928 und 1959 fanden 11 internationale Kongresse für Neues Bauen (Congrès Internationaux d’Architecture Moderne), kurz CIAM genannt, an verschiedenen Orten in Europa statt. Weltweit anerkannte Architekten und Stadtplaner, wie Le Corbusier, Walter Gropius, Cornelis van Eesteren, José Luis Sert, Ernst May, Mart Stam u.a. nutzten diese Treffen, um eigene Position propagieren und international behaupten zu können sowie für den Ausbau ihrer Netzwerke. Mit den programmatischen Ideen bestimmte die CIAM die Städtebaudiskussionen und die Entwicklung der modernen Architektur bis weit in die Nachkriegszeit.

Als rein harmonische Treffen, in denen homogene Leitlinien erarbeitet wurden, darf man sich die CIAM-Kongresse allerdings nicht vorstellen. Vielmehr waren sie von heftigen Auseinandersetzungen geprägt. In dem Seminar werden wir uns auf einige wichtige Kongresse beschränken und die divergierenden Positionen herausarbeiten. Damit soll die Bandbreite an Ideen erfasst, die produktive Atmosphäre verstanden und die Entwicklung der verschiedenen Treffen analysiert werden.

Wir nähern uns dem Thema durch die Beschreibungen wichtiger Bauprojekte und über die Biographien einzelner Protagonisten. Vor allem aber konzentrieren wir uns auf die Vermittlung der verschiedenen Inhalte: Wie wurden die einzelnen Themen präsentiert? Welche Instrumente nutzten die Architekten? Wer stellte diese vor? Und wie sahen die begleitenden Ausstellungen aus? Um an Informationsmaterial zu kommen, wird nicht nur die Forschungsliteratur herangezogen. Auch ist eine Exkursion zum CIAM-Archiv nach Zürich geplant, um entsprechende Pläne, Fotos und Diagramme zu sichten. Über die Präsentationstechniken sollen weitere, vor allem neue Inhalte generiert werden.

Sommersemester 2018

Trulls, Alberobello, South Italy © Simone Bader

Modul [AR30076] Architekturanalyse: 
Das "Vernakuläre“ in der modernen und zeitgenössischen Architektur

Semesterwochenstunden: 4

mit: Andres Lepik, Vera Simone Bader

Die Auseinandersetzung mit der sogenannten „vernakulären“ Bauweise, d.h. mit der in der Regel als „lokal“, „spontan“ oder auch „ursprünglich“ bezeichneten Architektur, ist ein hoch aktuelles Thema. Es steht dabei im Spannungsfeld von nationaler Identitätssuche, ökologischen Ansätzen und globalen Wirtschafts- und Politikinteressen: Zum einen orientieren sich Architekten (wie etwa Anna Heringer, Balkrishna Doshi, Francis Kéré) scheinbar zunehmend am Vernakulären, da der Rückgriff auf die Grundbedingungen der Architektur, auf alternative Materialien und auf eine einfache Handhabung in der Baupraxis angesichts knapper Ressourcen und globaler Wirtschaftskrisen weltweit gefordert wird. Andererseits versuchen Städte, wie Abu Dhabi, über die Wiederentdeckung vermeintlich lokaler Formen den Tourismus weiter anzukurbeln. Diese divergierende Aneignung von Formen und Konstruktionen, die als vernakulär bezeichnet werden, machen es notwendig, sich dem Thema noch einmal kritisch zu nähern. Es ist zu beobachten, dass sich auch schon wichtige Protagonisten der Architekturgeschichte wie Frank Lloyd Wright, Bruno Taut, Le Corbusier, Giuseppe Pagano, Bernhard Rudofsky und andere bereits seit Ende des 19. Jahrhundert eingehend mit dem Vernakulären beschäftigt haben und dies gerade auch in Anbetracht von Funktionalisierung und Rationalisierung in der Architektur. Sie vermittelten durch Ausstellungen und Publikationen über das Vernakuläre das Bild einer authentischen und als vorbildlich bezeichneten Architektur, die mit der Kultur des jeweiligen Lebensraums verwurzelt und als Ursprung für lokale Bauformen anzusehen ist. Der forschende Blick lag dabei entweder auf der Baupraxis im eigenen Land oder war auf die Kolonien gerichtet. Im Seminar werden die Gründe und Motive für die früheren und die aktuellen Auseinandersetzungen mit dieser Art des Bauens analysiert. D.h.: Seit wann, warum und mit welchen Kriterien und Vorbehalten begegneten Architekten dem Vernakulären? Wie und in welcher Form wurde ihr Entwerfen und Bauen beeinflusst? Und wie wird der Begriff „vernakulär“ historisch und aktuell verwendet? Das Vernakuläre bleibt vor allem auch im Hinblick auf andere Begrifflichkeiten wie Regionalismus, Traditionalismus, Primitivismus und Heimatstil zu definieren und vor dem Hintergrund der postkolonialen Studien zu diskutieren. Das Seminar zielt demnach auf eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Vernakulären vor allem in Europa, indem Bauwerke, Ausstellungen und Publikationen analysiert und in einen größeren politischen, kulturellen und sozialen Kontext gestellt werden.

IBA 1987, Wohngebäude Berlin, 1986 © Daniel Talesnik

Modul [AR30190] Projektwerkstatt kuratorische Praxis:
Die Stadt als Modell (IBA Berlin 1984-87) 

Semesterwochenstunden: 4

mit: Andres Lepik, Daniel Talesnik

Das Seminar untersucht Bauausstellungen mit besonderem Blick auf die Internationale Bauausstellung 1984-87 in Berlin. (Präzedenzfälle, wie die Weißenhofsiedlung 1927 in Stuttgart und die Interbau 1957 in Berlin werden ebenfalls näher analysiert). In diesem Kurs geht es um die Geschichte der Architektur in Deutschland – vor allem um die der 1980er-Jahre, – d.h. die Jahre vor dem Mauerfall, als die IBA ein weiterer Versuch war, Westberlin zu einer führenden Stadt des internationalen Architekturdiskurses zu avancieren. Wir wollen wissen, was genau die IBA gefördert hat und wie?

Die IBA hatte zwei Hauptstrategien, die "Kritische Rekonstruktion" (IBA-Neubau) und die Sanierung / Restaurierung mit der "Behutsamen Stadterneuerung" des IBA-Neubaus ("Hardt-Waltherr-Hämer"). (Es besteht eine Verbindung zur TU MÜNCHEN? BERLIN?? durch die Idee vom "Bauen im Bestand"). Zu dieser Zeit waren die IBA-geförderten Projekte in Berlin polemisch und widersetzten sich allgemeingültigen Tendenzen. Im Seminar werden daher sowohl die positiven als auch negativen Aspekte der IBA sichtbar gemacht. Wenn die IBA ein Modell darstellte, dann wollen wir verstehen, welche Art von Modell sie war und für was dieses stand.

In diesem Seminar geht es um die Verbindungen zwischen Postmoderne und ihren Gegensätzen und um die Beteiligung lokaler Architekten und die Einladung ausländischer Schlüsselarchitekten nach Berlin zum Bau von Wohnprojekten. Die IBA war eine Plattform für Architekten, die zum Erbe Berlins beitragen sollten: Peter Eisenman, Aldo Rossi, Rem Koolhaas, Zaha Hadid, John Hejduk, Raimund Abraham, Oswald Matthias Ungers und andere. Eine andere Frage ist, wie dies ein spätes Szenario des Kalten Krieges darstellt, das die Architektur für politische Zwecke mobilisierte.

Eine Nebenfrage ist, was geschah zu dieser Zeit in Ost-Berlin? Wie waren die Reaktionen auf der anderen Seite der Mauer? Dafür schauen wir uns das Nikolaiviertel näher an, ein historisches Viertel umgeben von Plattenbau, das eine touristische Attraktion für das 750-jährige Stadtjubiläum werden sollte.

Kurz gesagt, das ist Berlin als Labor, eine Stadt, die sich neu erfindet und unbewusst den Boden für das ebnete, was seit dem Mauerfall stattgefunden hat. Wenn diese Projekte in Berlin "Inseln" waren, bildeten sie dann ein "Stadtarchipel", so wie es Ungers propagierte? Das Projekt war eine Spekulation, die nicht daraus bestand, Geld zu verdienen – und dennoch ebnete sie gleichzeitig Spekulanten den Weg.

Schließlich stellt sich für die Studenten die Frage, wie könnte dieses Thema (oder Teile davon) zu einer Ausstellung werden?

* Wir werden Berlin gegen Ende des Kurses zusammen mit den Studenten besuchen.

Giuseppe Terragni, Casa del Fascio, Como, 1936 © Simone Bader

Modul [AR20036] Architekturvermittlung (Museum):
Architektur im faschistischen Italien

Semesterwochenstunden: 2

mit: Vera Simone Bader, Gabriella Cianciolo Cosentino

In dem Seminar wird die 20-jahrige Bautätigkeit in Italien unter dem faschistischen Regime beleuchtet mit besonderem Blick auf Ausstellungen, Städtebau, Kunst und auf den Umgang mit dem schwierigen Erbe. In einer ausführlichen Einführung werden Tradition und Moderne als Antipoden in der Architektur dieser Zeit kritisch hinterfragt und verschiedene Aspekte, wie beispielsweise die Beziehung zwischen Architektur und Ideologie aufgegriffen. Die Protagonisten, zu denen unter anderem Gustavo Giovannoni, Marcello Piacentini, Giuseppe Terragni, Giovanni Muzio und Giovanni Michelucci zählen, werden vorgestellt und ihre Bauten und Entwürfen in Beziehung zur faschistischen Regierung analysiert. Das persönliche Einwirken Mussolinis auf die Architektur und den Städtebau ist ebenfalls Thema. Welche Bauaufgaben haben eine wichtige Rolle gespielt? Welche Formensprache und welche Materialien wurden bevorzugt? Inwiefern hat die Architektur (oder die Architektur-Publizistik) zur Propaganda des Faschismus beigetragen? Diese und andere Fragen sollen im Laufen des Seminars an Fallbeispielen diskutiert werden.

© Sandra Hofmeister

Modul [AR20112] Architekturkommunikation:               
Architekturtexte: Lektüre- und Schreibwerkstatt

Semesterwochenstunden: 2

mit: Sandra Hofmeister

Wenn Architektur in Worte gefasst wird, gibt es unterschiedliche Textformate je nach Anlass und Intention. Dieses Seminar ist eine Werkstatt für diese Worte und Textformate: Wir werden verschiedene Texte lesen, analysieren und ihren Kontext besprechen. Nach der Lektüre werden wir eigene Texte verfassen und dabei auf vorab erarbeitete Aspekte achten. Die Bandbreite an Textformaten, die im Seminar diskutiert wird, schließt Manifeste und Essays, Blog Einträge und Kommentare, Interviews und Projektbeschriebungen mit ein. Durch die sorgfältige Lektüre werden die Studierenden einen kritischen Blick auf diese Texte werfen und daran arbeiten, Architektur in überzeugende eigene Worte zu fassen.

Hans Schwippert, Behelfsheim-Typ “Wohnlaube, Wohngerät 43” aus dem Jahr 1943 © Architekturmuseum München Archiv

Modul [AR20083] Architektur sammeln, dokumentieren und präsentieren:
Der Architekt Hans Schwippert im Archiv des Architekturmuseums

Semesterwochenstunden: 2

mit: Anja Schmidt

Die Sammlung des Architekturmuseums der TU München bewahrt einen reichen Bestand von Plänen und Skizzen des Architekten Hans Schwippert, (1899-1973). Als langjähriger Vorsitzender des Deutschen Werkbundes und Direktor der Kunstakademie Düsseldorf war er einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsarchitektur. Von seinen Bauprojekten sind vor allem der Entwurf für das Deutsche Bundeshaus in Bonn (1948/49), das Hochhaus auf der Interbau 1957 in Berlin und das Ausstellungskonzept des Deutschen Pavillons der Brüssler Weltausstellung 1958 in die Architekturgeschichte eingegangen. Weitgehend unbekannt ist dagegen, dass Schwippert auch Behelfsheime und Notunterkünfte für Flüchtlinge entwarf. Ein Thema, das heute wieder besondere Bedeutung erlangt. Im Mittelpunkt des Seminars stehen die Entwürfe und ausgeführten Projekte dieses Architekten.

Königshaus am Schachen © Myrzik und Jarisch

Modul [AR30347] Projektwerkstatt Ausstellungsgestaltung:
Königsschlösser und Fabriken - Ludwig II. und die Architektur

Semesterwochenstunden: 2

mit: Andres Lepik, Ann Katrin Bäumler

Der vom Architekturmuseum zusammen mit dem Londoner Architekturbüro Studio Weave als Blockveranstaltung angebotene Workshop findet in Vorbereitung der Ausstellung "Königsschlösser und Fabriken -- Ludwig II. und die Architektur" statt, die zum 150-jährigen Jubiläum der TUM ab September 2018 in der Pinakothek der Moderne gezeigt wird.

Als Projektarbeit sollen die Studierenden bei der Wandgestaltung von zwei Ausstellungsräumen mitwirken, wobei sie auch von Studio Weave, die die Ausstellungsarchitektur konzipiert haben, unterstützt und angeleitet werden. Ziel ist es anhand einer eigens für die Ausstellung entwickelten Technik mit den charakteristischen Farben, Ornamenten und architektonischen Versatzstücken der damaligen Zeit eine Art "Fassade" zu gestalten. Diese ist sowohl für den Besucher der Ausstellung, als auch von außen sichtbar -- insbesondere bei beleuchteten Räumen in der dunklen Jahreszeit.

Der Workshop bietet auch einen Einblick in die kuratorische Praxis und in die Entwicklung eines architektonischen Ausstellungskonzepts. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Visualisierung der Ausstellungsinhalte. Vermittelt werden soll zudem die kritische Auseinandersetzung mit komplexen Problemstellungen und deren räumliche Präsentation für die Ausstellung.

 

Hans Döllgast, Wiederherstellung Alte Pinakothek, 1946–1957 © Klaus Kinold

Modul Architekturmuseum:
Auf den Spuren Münchner Architekturlehrer

Semesterwochenstunden: 4

mit: Irene Meissner

Carl von Fischer, Friedrich von Gärtner, Friedrich von Thiersch, Theodor Fischer, German Bestelmeyer, Robert Vorhoelzer, Hans Döllgast, Franz Hart, Werner Eichberg, Sep Ruf oder Otto Steidle, aber auch renommierte Künstler wie Wilhelm von Rümann, Bernhard Bleeker, Hermann Hahn, Georg Brenninger oder Fritz Koenig lehrten seit 1803 an der Akademie der Bildendenden Künste München und seit 1868 Architektur an der heutigen Technischen Universität München. Wer waren diese Lehrer und welche Spuren haben sie im Münchner Stadtbild hinterlassen?
In den Seminarveranstaltungen sollen sich die Studierenden auf die Spuren der Münchner Architekturlehrer begeben und anhand eines Rundgangs den Architekten/Künstler und dessen Bauten/Werke vorstellen. Nach vorgegebenen Layout ist die Erarbeitung eines „Pfads“ geplant. Ein kurzer Abriss von Leben und Werk mit einer architektonischen Einordnung und der Vorstellung der wichtigsten Bauten mit Fotografien und Kurztexten sollen den Weg der jeweiligen Architekten zu ihren Bauten in München weisen.

Die Veranstaltungen finden in Form von Stadtspaziergängen und bei schlechtem Wetter im Seminarraum statt.