Air Conditioned
Architektur zwischen Behaglichkeit und Klimawandel
Die Welt erwärmt sich. Steigende Temperaturen, immer früher einsetzende Hitzewellen und anhaltende Dürreperioden machen thermischen Stress zu einem der prägenden sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Schon heute verursachen Heizen und Kühlen fast vierzig Prozent der weltweiten energiebedingten Emissionen. Während lange Zeit das Heizen den Energieverbrauch dominierte, wird sich der Bedarf an Kühlung bis 2050 voraussichtlich verdreifachen. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir uns vor Hitze schützen müssen. Vielmehr zwingt die Situation uns dazu, grundlegend zu überdenken, wie wir kühlen und wer am dringendsten vor Hitze geschützt werden muss.
Wenn wir unsere Wohnungen, Büros und Gebäude kühlen, heizen wir gleichzeitig unsere Umwelt auf. Architektur ist maßgeblich an diesem Paradoxon beteiligt. Großflächige Glasfassaden, minimale Außenverschattung und wärmestauende Gebäudetypologien kennzeichnen die Baukultur der letzten hundert Jahre und haben eine Abhängigkeit von ganzjähriger Klimatisierung geschaffen. Viele dieser Gebäude werden dauerhaft überkühlt. Den Nutzer:innen bleibt dabei nur wenig Möglichkeit, selbst Einfluss auf ihr Raumklima zu nehmen.
Doch Komfort lässt sich weder universell messen noch ist der Zugang dazu allen garantiert. Moderne Komfortstandards sind von einer geopolitischen Vorstellung geprägt, die die moderaten Klimazonen Europas und Nordamerikas als normative Grundlage setzte und dabei andere thermische Kulturen und lokale Praktiken marginalisierte.
Air Conditioned untersucht kritisch fünf Dimensionen der thermischen Behaglichkeit und ihren weitreichenden Einfluss auf unsere Kultur und (gebaute) Umwelt. Die Ausstellung befasst sich damit, wie Wärme übertragen wird und wie Komfort gemessen, erzeugt und weltweit verteilt wird. Hinter scheinbar idealen Klimata offenbart sie jedoch weitreichende, fragile und zunehmend komplexere Systeme, die so konzipiert sind, dass sie unsichtbar und dennoch allgegenwärtig sind.
Die Ausstellung versteht sich als Plattform für Fragen der thermischen Behaglichkeit in einer sich wärmenden Welt. Die Ausstellung lädt dazu ein, Erfahrungen mit Wärme und Kälte neu auszuhandeln und nach einer sozial gerechteren und resilienteren Architektur zu suchen, die zwischen menschlichen Bedürfnissen und den ökologischen Grenzen unseres Planeten vermittelt.
Eine Ausstellung des TUM Lehrstuhls für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Design (Thomas Auer) und des Architekturmuseums der TUM (Andres Lepik).
Kurator:innen: Cara Hähl-Pfeifer, Sebastian C. Koth
Forschung: , Bilge Kobas, Sandra G. L. Persiani
Team: Alice Morgane Fleury, Rosa Ebert, Daniel Schlosser
Ausstellungsdesign: optimist office (München, Zürich, Brüssel)
Graphikdesign: hla.studio (Leipzig)
In Kooperation mit
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen; Wissensstiftung; Wüstenrot Stiftung; PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. und dem Kooperationspartner der Allianz, Freundeskreis Architekturmuseum TUM; Reflex Winkelmann GmbH
Mit zusätzlicher Unterstützung von
hZo GmbH; Kalthoff GmbH; KS Engineering GmbH im Auftrag der LAMILUX Heinrich Strunz GmbH; W. Söhngen GmbH; str.ucture GmbH
Publikation
„Air Conditioned: Architektur zwischen Behaglichkeit und Klimawandel“, herausgegeben von Cara Hähl-Pfeifer, Sandra G. L. Persiani und Andres Lepik, publiziert von Park Books, Zürich (deutsch: ISBN 978-3-03860-497-6, englisch: ISBN 978-3-03860-498-3; 35 Euro).